Intime Kommunikation
Gastbeitrag

Intime Kommunikation

Ein Gastbeitrag von Jana Welch

„Mir gefällt dein Busen nicht so gut“, „Dein Atem macht mir beim Küssen Probleme“, „Ich habe gestern mit einem anderen rum geknutscht”, “Ich bin noch  nicht erregt genug – bitte dringe nicht in mich ein“.

Intime Kommunikation – Warum fällt es uns in romantischen Beziehungen oft so schwer, die Wahrheit zu sagen?  Zu sagen und mit Kommunikation auszudrücken, was man ehrlich fühlt, denkt, meint und wünscht?

Eigentlich könnte man doch annehmen, dass es gerade für vertraute Paare einfach sein müsste, zu sagen, was man sich wünscht, ersehnt oder erhofft. Doch das Gegenteil ist oft der Fall. Denn besonders in innigen Verbindungen simmert oft die Verlustangst mit. Sie ist es, die uns Informationen filtern lässt, Dinge verheimlichen lässt und die dafür sorgt, dass wir unsere Wahrheit oft nicht sprechen. Gerne unter dem Vorwand – „Ich weiß genau, was mein Partner dazu sagen würde“ entmündigt man seinen Liebsten und versteckt so die eigene Angst vor einer eventuellen Konfrontation, die den Liebsten eventuell abstoßen könnte.

Viele meiner KlientInnen sind Meister im „Fühlen“ des anderen. Sie sitzen quasi im Kopf ihres Partners, wissen exakt was er oder sie denkt und entscheiden so, welche Informationen geteilt werden. Und das ist in den seltensten Fällen die echte und manchmal schmerzhafte Wahrheit, sondern vielfach sogar sehr subtil und gerne auch mal manipulativ.

Ja klar ist es unangenehm dem anderen frank und frei zu sagen, dass man zum Beispiel den Geschmack seines Spermas nicht mag – aber hey, dann würde er es vielleicht endlich verstehen, warum Du nicht schlucken willst. Du müsstest dich nicht mehr verstecken und ihr könntet gemeinsam an einer Lösung arbeiten.

Und genau das ist, was ich mir für Dich wünsche. Wenn Du dich traust, deine Herzenswahrheit zu sprechen, wirst Du eine neue Art der Kommunikation erleben und lieben lernen.

Es ist die Kunst der intimen Kommunikation. Für mich bedeutet diese: Sprechen und Mitteilen am Rande deiner üblichen Komfortzone.

Das bedeutet, dass Du deinem Partner etwas zutraust und ihm Dinge erzählst, die Du sonst nur deiner besten Freundin oder deinem Tagebuch anvertrauen würdest. Du zeigst dich in diesem Moment sehr verletzlich und schaffst dadurch eine tiefe Verbundenheit. Der tolle Nebeneffekt: Auch er wird sich eingeladen fühlen, dir etwas anzuvertrauen. So kommt ihr euch Stück für Stück näher und eure Beziehung kann sich weiterentwickeln und immer tiefer werden.

Durch das Vertreten deiner Meinung, dem Mitteilen deiner eigenen Bedürfnisse wirst Du für deinen Partner interessanter. Er sieht, dass Du ein eigenständiger Mensch bist, mit eigenen Wünschen und Zielen und glaube mir– das schafft Begehren. Denn wir begehren nun mal, was anders ist, als man selbst. Und es sind genau diese Unterschiede, die das Salz einer Beziehung sind.

Vielleicht hast Du nun Lust bekommen, einmal auszuprobieren, wie es wäre, deinem Partner etwas mitzuteilen, was Dir schon lange auf der Seele brennt. Durch eine achtsame Art der Kommunikation signalisierst Du deinem Partner, dass Du ihn respektierst und wertschätzt, dass Du interessiert bist, etwas gemeinsam zu verändern.

Die 10 goldenen Kommunikations-Punkte für intime Kommunikation

1. Timing ist alles. Wähle den richtigen Zeitpunkt. Es macht meist keinen Sinn deinem Partner, kurz bevor er ins Büro geht, von einem schwierigen Thema zu erzählen. Daher wähle einen Moment aus, der gut passt. Vielleicht ist es ein ruhiges Abendessen zu zweit und nicht das hektische Frühstück am Morgen. Gerne kannst Du ihn auch vorab fragen, wann er mal Zeit und Ruhe für ein Gespräch hat.

2. Vermeide es, zu viele Themen auf einmal zu besprechen. Auch wenn die Unterhaltung gut läuft. Ein Thema genügt! Daher kann es sinnvoll sein, dass Du Dir vorher selber klar bist, WAS Du genau sagen möchtest. Höre also erst mal in dich selber hinein und sprich es dann aus.

3. Sei klar und deutlich. Auch dein Partner hat bestimmt über die Zeit feine Antennen entwickelt und fühlt unterdrückte Anschuldigungen und Vorwürfe.

4. Gib Deinem Partner eine echte Chance! Höre aufmerksam zu, ohne ihm oder ihr dazwischen zu quatschen. DAS ist für viele Menschen echt schwierig und erfordert  Zurückhaltung, Geduld und Neugierde auf den anderen. Eine tolle Möglichkeit ist das sogenannte „Sharing“: Ihr stellt einen Timer auf 3 Minuten. In dieser Zeit darf einer sprechen. Und zwar nur diese eine Person. Der andere hört zu – schweigt und nickt freundlich. Wenn die Zeit abgelaufen ist, wiederholt der Zuhörer, was er gehört hat. Und nur das. Er bewertet und kommentiert das Gehörte nicht.

5. Bewerte Deinen Partner nicht gleich. Wir sind oft so schnell, die Aussage des anderen in schlecht oder gut zu unterteilen. Oder in richtig oder falsch. Vergiss nie – Jeder lebt in seiner eigenen Realität und was für dich gilt, muss nicht für deinen Partner gelten. Er hat vielleicht ganz andere Erfahrungen gemacht als Du. Und diese sind nicht mehr aber auch nicht weniger wert als deine. Jede Meinung hat also eine Daseinsberechtigung. Kommentiere seine Aussagen also lieber mit „Interessant“ und hole dabei tief Luft, wenn dich etwas total triggert.

6. Teile ihm/ihr mit, dass Du gerade total getriggert bist. Vielleicht weißt Du auch warum. Vielleicht sind es Anteile aus deiner Kindheit oder Vergangenheit, die dich aggressiver als sonst auf eine Aussage reagieren lassen. Sobald dein Partner das weiß, kann dein Partner dementsprechend darauf reagieren. Und schon seit ihr euch wieder ein Stückchen näher gekommen.

7. Keine Vorwürfe! Keine Beschuldigungen. Die bringen einfach nichts. Sie treiben deinen Partner in einer Ecke aus der er nur schwer herauskommt. Also in Zukunft verzichte bitte auf „Du“ Botschaften  ( Du hast das wieder falsch gemacht, obwohl….) und versuche in ICH – Botschaften zu sprechen ( Ich fühle mich traurig damit…)

8. Streiche Wörter wie „immer“ und „nie“ aus Deinem Wortschatz. Diese Wörter stellen deinen Partner in die Ecke. Denn wenn jemand immer etwas tut, dann kann er sich ja nicht verändern. Stimmt´s?

9. Toll wäre es, wenn ihr zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen könntet. Das kann auch sein, dass ihr einen Kompromiss findet, mit dem ihr beide gut leben könnt.  Vielleicht könnt ihr euch auch gegenseitig unterstützen und dann verabreden, wann ihr dieses Thema erneut besprechen wollt.

10. Wenn ihr beide merkt – oder eben nur einer, dass das Gespräch gerade so gar nichts bringt, Emotionen hoch kochen oder ihr extrem unsachlich argumentiert – trennt euch bitte für 30 Minuten und kommt dann wieder zurück. Solange braucht unser System, bis wir uns wieder beruhigt haben.

Intime Kommunikation fällt nicht vom Himmel und braucht auch immer mindestens zwei Menschen, die Lust haben eine Beziehung und eine Sexualität zu leben, die lebendig und interessant ist.  Aber glaube mir, sobald ihr einmal damit angefangen habt, eurem Partner etwas zuzutrauen, werdet ihr die recht schnell eine positive Entwicklung feststellen können. Es lohnt sich!!

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