Erfahrungen im Kinderwunsch

Julia erzählt über ihre Erfahrungen im Kinderwunsch Teil 2

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Tausende Frauen machen etwas ähnliches durch wie Julia, aber die meisten denken, dass sie allein damit sind. Das stimmt natürlich nicht. Wir möchten mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken, damit Frauen in ihrer Situation sich nicht so allein gelassen fühlen.

Julia, wie fühlst du dich grundsätzlich auf deiner Kinderwunschreise und was würdest du dir noch wünschen, bzw. was dir fehlt?

Ich habe mich am Anfang so wahnsinnig allein mit meiner Situation gefühlt. Das war sehr schwer.

Aber um deine Frage richtig zu beantworten, müssen wir dafür am Anfang anfangen, bzw. eigtl noch etwas mehr zurück.

Grundsätzlich finde ich das Gesundheitssystem beim Thema Kinderwunsch sehr lückenhaft.

Mein Frauenarzt konnte mir in meiner Situation z.B. gar nicht weiterhelfen, obwohl es da auch sicherlich Unterschiede von Arzt zu Arzt gibt. In unseren Köpfen ist fest verankert, dass man automatisch und ohne Anstrengung schwanger werden kann – wenn man es nur will. Leider ist es aber nicht so. Es wird einem mehr Wissen an die Hand gegeben, wie man verhindern kann schwanger zu werden, anstelle auch mal zu erklären, was es braucht, um überhaupt schwanger zu werden. Und vor allem, was man tun kann, wenn es eben nicht so leicht ist.

Bei einer Routineuntersuchung ist mir bei meinem Frauenarzt aufgefallen, dass dort alles nur auf Schwangere ausgerichtet ist, was mich sehr erschrocken hat. Es gibt noch so viele andere Paare, bei denen es nicht so einfach ist mit dem Kinder kriegen. Da würde ich mir wünschen, dass man auch diese Paare mehr abholt und informiert z.B. ganz einfach durch einen Flyer im Wartezimmer. Diese gibt es ja auch zu allen möglichen anderen Themen wie z.B. Gebärmutterhalskrebs oder Geburtsvorbereitung. Wieso also nicht auch zu unerfüllten Kinderwunsch? Hier fehlt mir einfach die Aufklärungsarbeit.

Ich habe mir z.B. nie Gedanken über meine Eizellreserve gemacht. Erst als mein Blut getestet wurde und ich den Hinweis darauf erhalten habe, wie verhältnismäßig schlecht es um meine Eizellreserve steht, fing ich an mir darüber Gedanken zu machen. Das wäre z.B. eine Sache, die schon mal deutlich früher untersucht werden hätte können, einfach damit man mal Bescheid weiß, wo man da steht, bzw. man ein besseres Gefühl dafür bekommt, was das überhaupt bedeutet und welche Probleme dadurch evtl. bestehen.
Einem ist schon bewusst, dass es mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird, schwanger zu werden. An meine Eizellenreserve habe ich dabei aber nie explizit gedacht. Inzwischen ist mir klar, dass wenn ich keine Eizellen mehr habe ich nicht mehr schwanger werden kann, aber ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht, dass meine Eizellreserve irgendwann mal zu Ende geht. Aber warum habe ich das erst so spät erfahren?

Als ich angefangen habe, mich mit dem Thema Kinderwunsch auseinander zu setzen, gab es euch leider noch nicht. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass man mehr über diese Thema spricht und man sich besser austauschen kann und wünsche mir das immer noch. Deswegen bin ich auch froh, dass es euch gibt.

Ich fand es am Anfang sehr schwer, eine Entscheidung zu treffen, wo ich mich zu meinem Kinderwunsch am besten beraten lassen soll. Wenn man bei Google z.B. “Kinderwunsch Berlin” eingibt, bekommt man eine ellenlange Liste von Google ausgespuckt und sich da durchwühlen und zu entscheiden, “wo gehen wir am besten hin” ist uns sehr schwer gefallen.

Es gibt keinen Parameter, an dem man sich orientieren kann – was sind wichtige Kriterien die vorhanden sein sollten und was sind Ausschlusskriterien. Ich hätte gerne eine Checkliste gehabt, die ich zu rate ziehen kann: “Das ist zu tun wenn du einen KiWu hast.” Das war eins der schwierigsten Dinge, die wir als Paar erlebt haben, weil man eine Entscheidung zu etwas treffen muss, wovon man keine Ahnung hat. Wissen um die eigene Fruchtbarkeit ist so viel Wert und einfach zu verstehen, wie steht es um meine Fruchtbarkeit, was kann ich tun, was sind die nächsten Schritte – daher finde ich es so wichtig, dass ihr das anbietet.

Als Feedback zu meiner KiWu Behandlung kann ich nur sagen: “Ich habe mich selten so dumm gefühlt.”

Ich saß vor den Ärzten und sie haben mich gefragt, ob ich noch Fragen habe – das war ehrlich nett gemeint. Was in meinem Kopf vorging war “Ich habe viele Fragen, nur ich weiß leider nicht welche.” Das fand ich für mich selbst sehr erschreckend, weil ich sonst immer alle Dinge in meinem Leben unter Kontrolle habe und mich normalerweise immer gut vorbereiten kann. Ich stehe gut im Leben und bin erfolgreich in meinem Job, aber das eine Jahr, in dem ich jetzt auf meiner Kinderwunschreise bin, habe ich in einer kompletten Überforderung verbracht, mir hat einfach komplett die Kontrolle gefehlt.
Während der ersten 3 ICSIs hatte ich den totalen Kontrollverlust und auch nicht verstanden, was genau da grad passiert. Ich musste mich 100% auf die Ärzte, die mich behandelt haben, verlassen. Mir hätte es geholfen, auch gerne mal eine zweite Meinung zu erhalten, aber auch das ist quasi unmöglich wenn man nicht noch zu einer zweiten KiWu Klinik geht. Ich habe mich sehr allein gelassen gefühlt und das ist in diesem emotionalen Prozess in dem man sich befindet schon sehr belastend.

Das ist alles eine große Belastung für eine Partnerschaft, wie seid ihr als Paar damit umgegangen?

Uns und unsere Beziehung hat das Ganze tatsächlich nochmal stärker gemacht. Das liegt aber auch sicherlich daran, dass wir es gut hinbekommen haben, miteinander zu reden und die andere Seite zu verstehen.

Im Nachhinein hab ich das Gefühl, mein Mann hatte das schon alles gut durchblickt, was da so auf uns zukommt. Ich bin da eher mit der rosaroten Brillen reingelaufen, mit dem Gedanken “das wird schon alles”. Mein Mann meinte immer zu mir, dass er natürlich sehr gerne ein Kind hätte, aber dass die endgültige Entscheidung natürlich bei mir liegt, weil ich den größten Teil der Geschichte tragen muss und er eher einen kleinen Anteil übernimmt. Das hat mir sehr geholfen.
Es war schon sehr belastend im Alltag, grad wenn man sich noch nicht so gut in dem Thema auskennt. Wir haben es gut hinbekommen die Schuld niemanden zuzuschieben, obwohl man sich bei bestimmten Sachen doch immer wieder schuldig fühlt, auch wenn man eigentlich weiß, dass niemanden die Schuld trifft – wir haben ja nur bedingt Einfluss auf unseren Körper.

Es war interessant, zu sehen wie unterschiedlich wir mit den verschiedenen Situationen umgehen und wie wir es anders verarbeitet haben. Es ist uns sehr wichtig, dass wir gerade in dieser Zeit auch bewusst Zeit miteinander verbringen und auch über andere Dinge sprechen. Wir brauchen die Pausen zwischendurch extrem. Einfach mal wegzufahren und an etwas anderes denken, um wieder etwas Abstand zu bekommen.

Wir haben auch offen darüber gesprochen, wie wir vorgehen, wenn es nach der Befruchtung mit der Schwangerschaft nicht klappt, weil auch darüber muss man sprechen, damit man nicht unterschiedliche Erwartungen hat. Wir persönlich haben uns dazu entscheiden, von Mal zu Mal zu entscheiden, ob wir noch einen weiteren Versuch starten wollen. Abhängig davon wie es uns geht und zu was uns medizinisch geraten wird. Wir lassen uns auch offen, ggf. nochmal die Klinik zu wechseln oder im Ausland etwas auszuprobieren, je nachdem was wir möchten und was sich richtig anfühlt.

Der Mann nimmt nochmal eine ganz andere Rolle bei dem Prozess ein und es ist meiner Meinung nach ganz anders schwer für ihn, weil der Mann ja ‘nur’ die Beobachterrolle einnehmen kann. Ich als Frau bekomme alles hautnah mit, seien es die Kilos, die um die 5kg plus und minus schwanken oder war sonst im Körper passiert. Ich dachte, mit meinen 38 Jahren weiß ich, wie mein Körper funktioniert und reagiert, allerdings war das bis ich die Medikamente für die ICSIs einnehmen musste. Diese Erfahrung war nochmal ein ganz anderer Kontrollverlust für mich, da ich nicht mehr einschätzen konnte, was da eigentlich gerade los ist in meinem Körper. Auch bei diesen Dingen kann der Mann natürlich nur mit zuschauen und da habe ich gelernt, dass ich ihm immer erklären muss, was gerade mit mir los ist und wieso manche “normale” Dinge, wie ein blöder Spruch oder ein Witz grad gar nicht witzig für mich sind.

Aber alles in allem sind wir auf einem Nenner mit allem und egal wie unsere Geschichte weitergeht sind wir eine Familie, ob mit Kind oder ohne.

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