Folsäure schwanger werden

Folsäure für deine Fruchtbarkeit und Schwangerschaft

Folat ist ein wasserlösliches B-Vitamin. Es hat viele wichtige Funktionen in Deinem Körper und spielt eine vor allem für die Fruchtbarkeit wichtige Rolle. Da der Mensch Folat nicht selbst herstellen kann, spricht man von einem „essentiellen Nährstoff“. Essenzielle Nährstoffe müssen mit der Nahrung aufgenommen werden.
Laut aktuellen Empfehlungen sollten Frauen mit Kinderwunsch täglich 400 Mikrogramm Folat zu sich nehmen. Da es schwierig ist, diese Menge allein über die Nahrung abzudecken, sind zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel zu empfehlen. Die synthetisch hergestellte Form von Folat ist Dir wahrscheinlich bereits als Folsäure bekannt. Die in Vitaminpräparaten enthaltene Folsäure wird im Körper in Folat umgewandelt.

 

Warum ist Folsäure während der Schwangerschaft so wichtig?

Der Grund, warum Folsäure insbesondere für Frauen mit Kinderwunsch so wichtig ist, liegt darin, dass Folsäure sowohl für die Reifung der Eizellen als auch für das normale Wachstum des Babys unerlässlich ist.
Folat wirkt als Co-Enzym, das den Zellen hilft, Nukleinsäuren (DNA und RNA) herzustellen, und kurbelt den Stoffwechsel der Aminosäuren in Deinem Körper an. Aminosäuren sind organische Verbindungen, aus denen die Proteine in Deinem Körper bestehen. Sie werden gemeinhin als die Bausteine der Proteine bezeichnet. Die Proteine sind für viele Strukturen und Funktionen in unserem Körper notwendig, z. B. für unsere Muskeln, Knorpel, Knochen, Haut und unser Blut.

Die häufigsten Symptome von Kindern, die von Frauen mit Folatmangel während der Schwangerschaft geboren werden, sind „Neuralrohrdefekte“. Neuralrohrdefekte führen zu Fehlgeburten oder leichten bis schweren Behinderungen. Folsäure hilft, Neuralrohrdefekte zu verhindern. 

Wann sollte man mit der Einnahme von Folsäure beginnen?

Es wird empfohlen, dass alle Frauen im gebärfähigen Alter Folsäure einnehmen, auch wenn sie nicht gerade versuchen, schwanger zu werden. Der Grund dafür ist, dass sich Folsäure/Folat nur positiv auf die Schwangerschaft auswirkt, wenn es früh genug und über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Den größten Nutzen hast du, wenn du Folsäure in den Monaten vor der Schwangerschaft und in den ersten Wochen deiner Schwangerschaft einnimmst.

Daher ist es bei einer Fruchtbarkeitsanalyse wichtig, auch potentielle Vitaminmängel, wie den von Folsäure abzuklären.

Die Symptome eines Folsäuremangels sind sehr subtil und reichen von Müdigkeit über Kopfschmerzen bis hin zu Reizbarkeit. Ob du einen Mangel an Folsäure hast, erfährst du im Rahmen der Blutuntersuchung, die Teil des LEVY Fertility Code ist.
 

Mögliche Auswirkungen von Folsäuremangel

Aus dem Neuralrohr bilden sich später das Rückenmark und das Gehirn des Babys. Beim sich entwickelnden Embryo beginnt die Entwicklung des Neuralrohrs in der 3. Schwangerschaftswoche, nachdem die Eizelle von der Samenzelle befruchtet wurde. In diesem Stadium der Schwangerschaft hat sich der Embryo von einem kompakten Zellknäuel in eine Struktur verwandelt, die aus drei verschiedenen Zellschichten besteht. Diese Zellschichten werden als „primäre Keimschichten“ bezeichnet. 

Was ist die primäre Keimschicht?

Aus den primären Keimschichten entwickeln sich das Ektoderm, Mesoderm und Endoderm. 

Im Embryo ist das Endoderm die innerste Zellschicht, das Ektoderm ist die äußerste Zellschicht und das Mesoderm ist die mittlere Schicht zwischen Endoderm und Ektoderm. Jede dieser Zellschichten bildet später die verschiedenen Teile des Körpers des Babys. 

Das Endoderm produziert Zellen, aus denen die wichtigsten Organe wie die Lunge, die Schilddrüse und die Bauchspeicheldrüse entstehen. 

Das Mesoderm produziert Zellen, aus denen die Skelettmuskeln, die Knochen, das Herz und die Nieren sowie die mittlere Hautschicht entstehen. 

Das Ektoderm bildet unter anderem die äußeren Schichten der Haut des Babys und das Nervensystem. Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn, der Wirbelsäule und den Nerven.


Um sich zu den spezifischen Körperteilen zu entwickeln, muss jede der Keimschichten des Embryos einen Spezialisierungsprozess durchlaufen, um ein Körperteil zu werden. Der Prozess der Spezialisierung wird durch Veränderungen in den Zellen des Embryos bewirkt. Zwischen den Zellen werden Botschaften gesendet, die ihnen sagen, dass sie sich umorganisieren sollen.

Nach Erhalt der richtigen Signale organisieren sich die Ektodermzellen in eine von drei neuen, unterschiedlichen Schichten um:

1) das innen liegende Neuralrohr, aus dem sich später das Rückenmark und das Gehirn entwickeln werden 

2) die äußere Schicht der Haut, die Epidermis 

3) eine einzigartige Gruppe von Zellen, die viele Zelltypen hervorbringen, die so genannten Neuralleistenzellen 

Damit sich das Neuralrohr bilden kann, findet ein komplexer Prozess der Zellumformung statt, bei dem die Ektodermzellen als Reaktion auf Signale von den Zellen unter ihnen nach oben geschoben werden, um eine Furche zu bilden. Es ist dies die erste Spur eines sichtbaren menschlichen Organs: der Entstehung von Wirbelsäule und Gehirn.

Die „Furche“ (auch Primitivstreifen genannt) ist auf beiden Seiten von einer Zellfalte umgeben. Am Ende des Prozesses schließen sich diese Zellen an der Furche. So entsteht eine Röhre aus umstrukturierten Zellen. Diese Röhre ist das Neuralrohr. 

 

Neuralrohrdefekte

Neuralrohrdefekte treten auf, wenn sich das Neuralrohr nicht richtig entwickeln kann oder sich nicht schließt. Im schlimmsten Fall kann der Embryo nicht weiter wachsen, und es kommt zu einer Fehlgeburt.
Neuralrohrdefekte können später zu ernsthaften Problemen und Behinderungen führen:

  • Der Spina bifida
    Bei Säuglingen, die mit Spina bifida geboren werden, sind die Wirbelsäule und das Rückenmark unvollständig geschlossen.
  • Anenzephalie
    Bei Babys, die mit dem Neuralrohrdefekt Anenzephalie geboren werden, fehlen Teile des Gehirns oder des Schädels. Die betroffenen Babys werden oft tot geboren oder sterben kurz nach der Geburt.

Wie kann ich das Risiko für Neuralrohrdefekte verringern?

Um das Risiko eines Neuralrohrdefekts zu verringern, ist es wichtig, dass du dich gesund ernährst und zusätzlich ein Präparat mit Folsäure einnimmst.

 

Folsäurereiche Lebensmittel

Zu den Lebensmitteln mit besonders viel Folat zählen:

  • grünes Blattgemüse
  • Salat
  • Brokkoli 
  • Eier
  • Rote Bete (Rote Rüben)
  • Zitrusfrüchte
  • Linsen
  • Samen und Nüsse
  • Weizenkeime
  • Spargel

Ob du ihn magst oder nicht, Spargel spielt in Bezug auf Folat eine besondere Rolle, denn er ist reich an Riboflavin, das eine wichtige Rolle bei der Bildung von Folat 14 spielt. Riboflavin gehört ebenfalls zur Familie der B-Vitamine (B2), und ein Mangel kann die Verwertung von Folat in den Zellen beeinträchtigen. Riboflavin wird benötigt, weil es als Cofaktor für ein Schlüsselenzym des Folatstoffwechsels, die Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR), verwendet wird.
Als ob das nicht schon Anreiz genug wäre, wurde ein Mangel an Riboflavin auch mit Präeklampsie bei schwangeren Frauen in Verbindung gebracht. Dieser Zustand kann sich zu einer Eklampsie (im Volksmund “Schwangerschaftsvergiftung”) – einem lebensbedrohlichen Notfall in der Schwangerschaft – entwickeln.


Nahrungsergänzungsmittel mit Folsäure

Wenn du als Vorbereitung auf die Schwangerschaft ein Nahrungsergänzungsmittel einnimmst, ist dabei mit großer Wahrscheinlichkeit auch Folsäure enthalten. Viele Vitaminpräparate haben jedoch zu wenig oder qualitativ minderwertige Folsäure. Das Ärzt*innenteam von LEVY berät Dich sehr gerne zum Thema Schwangerschaftspräparate.

In manchen Fällen können besonders hohe Dosen von Folsäure notwendig sein. 

Zum Beispiel bei einer Hyperhomocysteinämie (hohe Werte eines Eiweißbausteins im Blut) sowie bei Diabetes oder Epilepsie. Hier besteht ein höheres Risiko für Neuralrohrdefekte.

Frauen, die bereits ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt zur Welt gebracht haben, oder Frauen, die bestimmte Medikamente einnehmen, benötigen unter Umständen ebenfalls eine höhere Dosis an Folsäure. Hochdosierte Folsäure sollte jedoch nicht routinemäßig eingenommen werden.

 

Quellen:

  1. Recommendations: Women & Folic Acid | CDC. Aufgerufen am 6. November 2021. Center for Disease Control and Prevention, U.S. Department of Health & Human Services.
  2. Sadler T: Embryology of neural tube development. 2005 Am. J. Med. Genet., 135C: 2-8. 
  3. https://embryology.med.unsw.edu.au/embryology/index.php/Week_3. Aufgerufen am 6. November 2021. Hill, M.A. (2021, November 5) Embryology Week 3. Retrieved from UNSW Embryology.
  4. What Are the Mesoderm, Ectoderm and Endoderm Tissue? (reference.com). Aufgerufen am 6. November 2021. What Are the Mesoderm, Ectoderm and Endoderm Tissue?, Ask Media Group.
  5. Kandel ER, Schwartz JH, Jessel TM, eds. (2000). „Ch. 17: The anatomical organization of the central nervous system“. Principles of Neural Science. McGraw-Hill Professional. ISBN 978-0-8385-7701-1.
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  9. Nikolopoulou E et al: Neural tube closure: cellular, molecular and biomechanical mechanisms. Development. 2017 Feb 15;144(4):552-566. doi: 10.1242/dev.145904. PMID: 28196803; PMCID: PMC5325323.
  10. Grieger JA et al: Pre-pregnancy fast food and fruit intake is associated with time to pregnancy. Hum Reprod. 2018 Jun 1;33(6):1063-1070. 
  11. Riboflavin | Linus Pauling Institute | Oregon State University. Zugriff am 6. November 2021. Linus Pauling Institute, Micronutrient Information Center, Oregon State University. 
  12. ESHRE Guideline Group on RPL, Bender Atik R, Christiansen OB, et al. ESHRE guideline: recurrent pregnancy loss. Hum Reprod Open. 2018;2018(2):hoy004. Published 2018 Apr 6. 
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