Silvia Hecher fehlgeburt erfahrungsbericht

Fehlgeburt: Der Erfahrungsbericht von Silvia

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Zum ersten Mal schwanger sein ist learning by doing. Ja, man hat viel gelesen und kennt andere Frauen, die schwanger waren oder sind. Man hat die dicken Bäuche betrachtet und sich gefragt, wie sich das wohl anfühlt. Und man hat viele Ratschläge bekommen. Aber wirklich wissen, was es heißt, schwanger zu sein, tut man erst, wenn man es tatsächlich ist. Und dann beginnt man zu hoffen: dass man die Signale seines Körpers richtig interpretiert, dass sich das Kind gut entwickelt, dass man sich nicht laufend übergeben muss. Kurzum: dass alles gut geht.

 

Eine Fehlgeburt zerstört diese Hoffnung. Und sie macht es in allen darauffolgenden Schwangerschaften schwer, sich dieser Hoffnung wieder hinzugeben. Alle Frauen, die bereits eine Fehlgeburt hatten, wissen, wie sich das anfühlt. Wie sehr man zerrissen ist zwischen der mütterlichen Versuchung, diesem Krümel mit all seinen Gefühlen eine Chance zu geben. Und dem Instinkt, sich schützen zu wollen vor diesem Schmerz, der nur schwer auszuhalten ist.

Die erste Schwangerschaft

Meine erste Schwangerschaft dauerte dreieinhalb Wochen. Nicht viel Zeit, um es zu realisieren. Mein Frauenarzt sagte: „Sie sind ein Bisschen schwanger“, als er im Ultraschall den Punkt in der Gebärmutter sah. Grund für mich, den Frauenarzt zu wechseln. Der nächste Frauenarzt sagte: „Die Gebärmutterschleimhaut ist nicht gut aufgebaut, das wird nicht halten.“ Klare Worte, denen die Gefühle erst einmal nachkommen müssen. Am nächsten Tag kam schon die Blutung. Auf der Toilette von Freunden, bei denen wir zum Abendessen eingeladen waren, spülte ich mein Baby die Toilette hinunter. Ich ließ mir nichts anmerken, aber am nächsten Tag kamen starke Krämpfe und damit die Verzweiflung und die Frage nach dem Warum.

Viele Frauen, die eine Fehlgeburt haben, suchen die Schuld bei sich. Habe ich mich nicht gut genug ernährt? Zu viel Sport getrieben? Zu viel Alkohol getrunken? Zu lange gewartet? Ist das die Strafe für die Abtreibung damals? Oder habe ich mir den falschen Partner ausgesucht?
Frauen, denen bisher alles oder zumindest sehr viel gelungen ist – in der Ausbildung, in der Karriere oder in der Partnerschaft –, müssen sehen, dass oft auch mit Anstrengung eine Fehlgeburt nicht zu vermeiden ist. Sie haben gefühlt alles richtig gemacht: Den Zyklus aufgezeichnet, zum richtigen Moment Sex gehabt, Vitaminpräparate eingenommen, auf Alkohol verzichtet. Und dann funktioniert es trotzdem nicht. Auch hier kommt die Frage nach dem Warum. Warum reicht meine Anstrengung nicht, wenn es anderen um mich herum scheinbar mühelos gelingt, Kinder zu bekommen?

Ja, von medizinischer Seite gibt es meistens eine Antwort auf das Warum, wenngleich viel zu selten gründlich gesucht wird. Wie auch bei mir. Meinen Arzt schien es überhaupt nicht zu interessieren, warum ich eine Fehlgeburt erlitt. Mit der Analyse, dass die Schleimhaut zu dünn war für eine Schwangerschaft, schien er seine Arbeit erledigt zu haben. Und ich begnügte mich vorerst damit und mit der Statistik, dass eine von vier Schwangerschaften in einer Fehlgeburt endet.

 

 

Die zweite Schwangerschaft – eine schöne Überraschung

Meine zweite Schwangerschaft war eine Überraschung. Ich weiß bis heute nicht, wie wir das hinbekommen haben. Ich hatte meine Regelblutung pünktlich, aber sehr schwach. Als mich ein paar Wochen später eine Freundin anrief, um mir mitzuteilen, dass sie im 3. Monat schwanger war, überkam mich ein komisches Gefühl. Ich kaufte spontan einen Schwangerschaftstest – und er war positiv. Obwohl die Schwangerschaft nicht geplant war, war die Freude riesig. Ich war bereits zwei Wochen weiter als in der letzten Schwangerschaft und deutete das als gutes Zeichen. Vor dem Besuch beim (neuen) Frauenarzt hatte ich dennoch Angst. Man liegt auf dieser Bank und weiß, dass das Ultraschallgerät gleich das Urteil fällen wird zwischen intakter und nicht intakter Schwangerschaft.
Und da war er: der Herzschlag. Zum ersten Mal konnte ich sehen und hören, wie mit einer Frequenz von über 100 ein winziges Herz in meinem Bauch schlägt. Ein Wahnsinn. Ich zog mich an und saß vor meinem Frauenarzt, als hätte ich im Lotto gewonnen. Doch der sah mich nicht besonders zuversichtlich an. „Sie sind noch früh“, meinte er fast mahnend. „Warten wir erst einmal ab.“

Na toll. Da freut man sich, und dann wird man daran erinnert, dass es ja wieder eine Fehlgeburt werden könnte. Damals war ich kurz davor, erneut den Frauenarzt zu wechseln. Heute weiß ich, dass es für Gynäkolog*innen nicht einfach ist, auf jede Schwangerschaft individuell einzugehen. Die eine Frau wünscht sich ein Baby und wird nicht schwanger, die nächste Frau ist schwanger und möchte abtreiben, die Dritte findet durch Zufall heraus, dass sie im 4. Monat ist. Es braucht viel Feingefühl – und das hat nicht jede/r.

Ein paar Tage später begann ich zu bluten. Ich brach in Panik aus. Das Blut war dunkel, und Google sagte, dass dunkles Blut kein frisches Blut ist und alles Mögliche bedeuten kann. Ins Krankenhaus wollte ich nicht. Am nächsten Tag war die Blutung weg.

Wir fuhren in den Urlaub. Noch nie war mir aufgefallen, wie viele Löcher auf der Fahrbahn der Autobahn sind. Bei jedem kleinen Ruckeln hatte ich Angst, wieder zu bluten zu beginnen. Ich saß stundenlang verkrampft auf dem Autositz und versuchte, mit meinen Oberschenkeln jeden kleinen Stoß abzudämpfen. Tagelang hatte ich Muskelkater davon.

Im Urlaub kam plötzlich frisches, hellrosa Blut. Ich war mit meinen Nerven am Ende und dacht mir einfach nur – ok, das war es jetzt. Ich war zu erschöpft, um einen Arzt zu suchen und wartete auf die Fehlgeburt. Doch sie kam nicht. Die Blutung wurde schwächer, die Schwangerschaftsübelkeit stärker. Es war der furchtbarste Urlaub. JEMALS!

Wieder daheim ging ich zu meinem Frauenarzt, der im Ultraschall ein Hämatom in der Gebärmutter fand, das wohl bei der schwachen Regelblutung entstanden war. Er meinte, dass ich noch ein paar Tage lang eine leichte Blutung haben würde, dass die Schwangerschaft aber nicht gefährdet sei. Und dass es nach einem Mädchen aussah. Ich war happy. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, mich jetzt völlig auf diese Schwangerschaft einlassen zu können. Ich übergab mich an diesem Tag das erste und letzte Mal in dieser Schwangerschaft, und ab dann verlief sie ohne jegliche Komplikationen.

Eine erneute Schwangerschaft…

Meine Tochter war eineinhalb Jahre alt, als meine Regel ausblieb. Wir waren glücklich mit unserer kleinen Familie, hatten kein weiteres Kind geplant und immer verhütet, also dachte ich mir nichts weiter dabei. Ich hatte keinerlei Schwangerschaftsanzeichen und schob es auf den Umzugsstress. Nach ein paar Wochen kam es mir merkwürdig vor, und ich machte einen Schwangerschaftstest. Er war ganz leicht positiv. Ich wusste sofort, dass ich schwanger war, aber nicht bleiben würde.

Meine Frauenärztin (ja, ich hatte wieder gewechselt, nachdem mich mein Frauenarzt mit Neugeborenem und explodierenden Brüsten drei Stunden im Wartezimmer auf meinen Termin hatte warten lassen) fragte mich, wann ich die letzte Regelblutung gehabt hatte. Ich wusste es nicht genau und schämte mich dafür. Der Ultraschall zeigte zwei Embryos ohne Herzschlag. Von der Größe her entsprachen sie der 6. Schwangerschaftswoche. Ich wusste, dass es zumindest die 8. sein musste, konnte es aber nicht beweisen. Die Ärztin meinte, ich solle in einer Woche noch einmal kommen; würde man dann wieder keinen Herzschlag sehen, wäre es klar, dass es auf eine Fehlgeburt hinauslaufen würde. Sie schien etwas erleichtert, als ich ihr sagte, dass wir die Schwangerschaft nicht geplant hatten.

Ich hatte gemischte Gefühle. Auf der einen Seite war ich froh, weil wir neben unseren Jobs all unsere Aufmerksamkeit unserer Tochter geben wollten. Auf der anderen Seite hatte ich nun das ganz klare Gefühl, dass mit meinem Körper irgendetwas nicht stimmte.

Der Ultraschall eine Woche später zeigte nur noch einen Embryo – ohne Herzschlag. Den anderen Embryo hatte mein Körper bereits absorbiert. Die Frauenärztin meinte, dass ich auf eine natürliche Fehlgeburt warten könnte, dass sie keinen Grund sah für eine Ausschabung. Und so wartete ich. Zwei Wochen später kam die Blutung. Ich frage mich bis heute, warum so viele Frauen eine Ausschabung bekommen, wenn der Embryo keinen Herzschlag hat. Man spricht im medizinischen Fachjargon von einer verhaltenen Fehlgeburt (bzw. hat man einfach nicht lange genug gewartet, bis die Blutung einsetzt). Der weibliche Körper schafft es in den meisten Fällen erstaunlich gut, mit einer nicht intakten Schwangerschaft umzugehen.

Wenn das Umfeld im Kindesglück schwimmt

Eine meiner besten Freundinnen wurde zum selben Zeitpunkt schwanger, ebenfalls mit Zwillingen. An ihrem wachsenden Bauch sah ich über die kommenden Monate, wie ich jetzt ausgesehen hätte. Ich war nicht neidisch und freute mich mit ihr. Unsere Entscheidung, eine Ein-Kind-Familie zu bleiben, blieb aufrecht.

Das änderte sich, als die Zwillinge ein paar Monate alt waren. Sie ließen sich den ganzen Tag herumtragen, kuschelten viel und wussten genau, was sie wollten und was nicht. Von heute auf morgen überkam mich ein intensiver Kinderwunsch, der unsere Beziehung eine Zeit lang beschäftigte. Wir einigten uns auf ein weiteres Kind und begannen zu basteln. Ich war rasch wieder schwanger, verlor die Schwangerschaft aber noch vor dem ersten Termin beim (neuen) Gynäkologen. Es fühlte sich an wie Routine. Ich war in Kinderwunsch- und Fehlgeburtsforen daheim und kannte sämtliche medizinische Fachausdrücke zu den verschiedensten Formen von Fehlgeburten, Gendefekten, Blutgerinnungsstörungen, anatomischen Anomalien, Hormonstörungen – you name it. Ich versuchte es mit Homöopathie und schaffte es, bald wieder schwanger zu sein. Zum Gynäkologen ging ich erst in der 8. Schwangerschaftswoche. Ich war nervös und hatte irgendwie kein gutes Gefühl. Der Embryo im Ultraschall hatte einen Herzschlag, war aber für die 8. Woche zu klein. „Vielleicht hatten Sie den Eisprung erst später“, meinte der Arzt. Ich wusste genau, wann ich den Eisprung gehabt hatte, aber der Arzt wollte das nicht gelten lassen. Ein paar Tage später erlitt ich meine 4. Fehlgeburt. Beim Kontrolltermin meinte mein Arzt mit mitleidiger Miene: „Naja, immer kann es nicht klappen.“

Die Klärung der Ursache

Immer kann es nicht klappen? Von fünf Schwangerschaften waren vier in einer Fehlgeburt geendet. Man muss wahrlich keine Expertin sein, um zu wissen, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Ich bestand auf eine umfassende genetische und immunologische Untersuchung, in die mein Arzt einwilligte, obwohl er es für unnötig hielt. Und ich wechselte zu einer Spezialistin für wiederholte Fehlgeburten.

Die Untersuchung ergab, dass bestimmte Antikörper, die für die Bekämpfung von Krankheitserregern zuständig sind, bei mir erhöht waren. Mein Immunsystem nahm die in mir heranwachsenden Babys als Fremdkörper wahr und bekämpfte sie quasi wie einen Tumor. „Überaktives Immunsystem“ lautete die Diagnose. Meine neue Frauenärztin nahm sich Zeit – sehr viel Zeit. Fast eine Stunde dauerte unser erster Termin, bei dem wir über alle Möglichkeiten des weiteren Vorgehens sprachen. Zu meiner Überraschung war die Therapie eines überaktiven Immunsystems relativ simpel und auch kostengünstig (und ist dies bis heute). „Warum wird in diesem Bereich nicht mehr Diagnostik betrieben?“, fragte ich meine Ärztin. „Weil die Pharmaindustrie an der Behandlung nichts verdient“, war ihre trockene Antwort.

Meine sechste Schwangerschaft – ein Erfolg dank der richtigen Medikamente

Drei Monate später war ich wieder schwanger – und blieb es dank der Medikamente. Meine sechste Schwangerschaft. Eigentlich schon toll, wie mein Körper das immer wieder hinbekommen hat. So viele Frauen werden nie schwanger, und bei mir klappte es immer beim ersten oder zweiten Versuch. Erhöhte Fruchtbarkeit ist eine Ursache für wiederholte Fehlgeburten, fand ich später heraus.

Meine Töchter sind heute 9 und 13 Jahre alt. Sie wissen, dass ich einige Babys verloren habe. Sie erzählen mir auch hin und wieder, dass die Mama einer ihrer Freundinnen gerade ein Baby verloren hat. Ich finde es gut, dass über Fehlgeburten gesprochen wird. Auch ich spreche darüber, und jedes Mal, wenn ich das öffentlich tue, melden sich Frauen und berichten von ihren Erfahrungen. Jede vierte Schwangerschaft endet in einer Fehlgeburt – wir alle kennen also mehrere Frauen, die zumindest eine Fehlgeburt erlitten haben.

Fehlgeburten sind Teil der Natur, und sie sind im Fall von genetischen Defekten wichtig für die Fortpflanzung der Menschheit. Wenn du mehrere Fehlgeburten hattest, ist jedoch die Wahrscheinlichkeit groß, dass es einen anderen Grund gibt als eine Laune der Natur. Ich möchte mit meiner Geschichte zeigen, wie wichtig es ist, den Dingen auf den Grund zu gehen und dass man nicht davon ausgehen darf, dass Ärzt*innen immer auf alles eine passende Antwort haben. Es ist nicht einfach, im Gesundheitssystem Unterstützung auf Augenhöhe zu finden – aber es lohnt sich.

Herzliche Grüße 

Deine Silvia 

P.S. Seit 2013 habe ich es mir zur Lebensaufgabe gemacht, Frauen wie dir und mir zu helfen. Ich habe eine Ausbildung zum zertifizierten Fruchtbarkeitscoach absolviert und kürzlich LEVY Health mitbegründet, um Frauen Antworten auf die Frage zu geben, warum sie nicht schwanger werden konnten, und um Zeit und Geld auf ihrer Fruchtbarkeitsreise zu sparen. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wirf einen Blick auf unseren Blogartikel zum LEVY Fertility Code oder schreib uns eine E-Mail an [email protected] Wir würden uns freuen, mit dir über deine aktuelle Situation zu sprechen und dir zu helfen, mehr Kontrolle in deinem Kinderwunsch zurückzugewinnen.

 

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